Wachstumsphase_Urbanes Gärtnern_Klaus Buttinger

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Tag 1: Christa Müller spricht über Gemeinschaftsgärten

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Tag 1: Christa Müller spricht über Gemeinschaftsgärten

Ein Gemeinschaftsgarten in der Stadt trägt Aspekte von Natur, Gesundheit, Kommunikation, Freude und Entschleunigung. In ihrer Eigenheit als Orte des Freiraums definieren Gemeinschaftsgärten gleichzeitig eine neue Nutzung von Stadtflächen, anders als im traditionellen Sinn: wo Stadtflächen sonst von festgelegten Funktionen und Nutzungen wie etwa „Fortbewegen“ oder „Konsumieren“ geprägt sind, ist die Fläche eines Gemeinschaftsgartens eine möglichst regelfreie Fläche, auf der Dinge zugelassen werden. Die wichtigste Eigenschaft dabei ist, dass der Gemeinschaftsgarten ein Ort für alle Menschen ist und keine Unterschiede zwischen diesen ausmacht.

Die Trennung von Stadt und Land, die noch das 20. Jahrhundert unsere Gesellschaft geprägt hat, bricht nun mehr und mehr auf. Durch die Massenindustrialisierung und ihre Begleiterscheinungen wächst die bürgerliche Sehnsucht nach einem Idyll der Natur. Die entstehenden Gemeinschaftsgärten verdrängen dabei nicht die Stadt. Es wird nicht das „Land“ in die „Stadt“ geholt, aber es wird eine andere Stadt gestaltet.2001201395.Wachstumsphase_Tabakfabrik 2001201331.Wachstumsphase_Tabakfabrik2001201353.Wachstumsphase_Tabakfabrik

Gemeinschaftsgärtnern vermag es dabei, den Bogen zu vielen weiteren Aspekten einer entschleunigten und nachhaltigen Lebensweise zu spannen: der Münchner Gemeinschaftsgarten „Opflanzt is“ ist gänzlich aus Recycling-Materialien aufgebaut. Wegwerfmaterialien der Konsumgesellschaft werden hier wieder neu eingesetzt. Das Interesse am Thema Re-Use bzw. Recycling hat inzwischen auch Künstler und Architekten erfasst und wird auf diesem Weg auch ganz andere Gesellschaftsschichten erreichen.

Auch Supermärkte springen teilweise bereits auf die Idee der Wiederverwertung auf und geben etwa übrige frische Lebensmittel wie Brot und Gemüse nach Ladenschluss kostenlos an bedürftige Menschen ab.

Initiatoren von Gemeinschaftsgärten kommen meist aus der bürgerlichen Mittelschicht und haben auch oft einen akademischen Hintergrund. Ist der Garten einmal angelegt, so kommen besonders MigrantInnen rasch mit Neugier und Interesse auf das Projekt zu und schaffen es durch eine „Verwurzelung“ im Gemeinschaftsgarten oft auch viel leichter, sich in der neuen Umgebung zu verwurzeln, wie Kontakte aufzunehmen, Sprachen zu erlernen und die Umgebung kennen zu lernen.

Christa Müller war Referentin bei der Veranstaltung Wachstumsphase in der Tabakfabrik Linz am 20. Und 21. Jänner 2013. Im Rahmen des Guten Morgen Salons der Fabrikanten diskutierte sie aktuelle Entwicklungen rund ums Thema Gemeinschaftsgarten.

Christa Müller, „Wurzeln schlagen in der Fremde“, oekom Verlag, München 2002.

Johanna Klement

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